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Start/Themenschwerpunkte/Wärmenetze/Planung

2 Planung

In der Planungsphase wird das Projekt „Wärmenetz“ auf Herz und Nieren geprüft. Jetzt werden Ingenieurbüros beauftragt, Businesspläne gerechnet und die Genossenschaft formal ins Leben gerufen. Ziel ist die „Bankfähigkeit“ des Vorhabens.


Machbarkeitsstudie und technisches Feinkonzept

Ein externes Ingenieurbüro prüft nun detailliert, wie das Netz technisch aussehen muss und was es kostet.

Unterschritte

  • Beauftragung einer Machbarkeitsstudie (Förderung über BEW Modul 1 sicherstellen).
  • Vergleich verschiedener Technologie-Varianten (z. B. Kombination aus Wärmepumpe und Biomasse).
  • Detaillierte Trassenplanung (welche Straße, welche Leitungslänge?).
  • Berechnung der Wärmeliniendichte (Wärmebedarf pro Meter Trasse).

Hürden

Hohe Vorlaufkosten für das Gutachten (finanzielles Risiko der Initiativgruppe); Auswahl eines Ingenieurbüros, das Erfahrung mit bürgerschaftlichen Projekten hat.

Erfolgsfaktoren

Einbezug von Planern, die „genossenschaftlich denken“ (pragmatische Lösungen statt Standard-Großindustrie); Berücksichtigung von Reserven für künftige Netzerweiterungen.


Wirtschaftlichkeitsrechnung und Businessplan

Zahlen lügen nicht: Hier wird ermittelt, zu welchem Preis die Wärme verkauft werden muss, damit sich das Projekt trägt.

Unterschritte

  • Erstellung einer Vollkostenrechnung (Investition + Betrieb + Instandhaltung).
  • Festlegung der Tarifstruktur (Grundpreis, Arbeitspreis, einmaliger Baukostenzuschuss).
  • Sensitivitätsanalyse: Was passiert, wenn die Strompreise steigen oder die Baukosten klettern?

Hürden

Zu optimistische Annahmen bei den Betriebskosten; Unterschätzung von Reparaturrücklagen (Lerneffekt aus den Interviews: „Lieber größere Puffer einbauen!“).

Erfolgsfaktoren

Konservative Kalkulation; Transparenz gegenüber den künftigen Mitgliedern, warum welcher Preis notwendig ist.


Formale Genossenschaftsgründung

Jetzt bekommt das Projekt einen rechtlichen Rahmen. Die Genossenschaft wird zum offiziellen Akteur.

Unterschritte

  • Erarbeitung der Satzung (Zweck, Kündigungsfristen, Nachschusspflicht ausschließen!).
  • Durchführung der Gründungsversammlung (Wahl von Vorstand und Aufsichtsrat).
  • Einreichung des Gründungsgutachtens beim zuständigen Genossenschaftsverband.
  • Festlegung der Höhe der Geschäftsanteile (z. B. 1.000 € pro Anteil).

Hürden

Bürokratischer Aufwand; Finden von Personen, die bereit sind, Verantwortung im Vorstand/Aufsichtsrat zu übernehmen.

Erfolgsfaktoren

Frühzeitige Beratung durch den Genossenschaftsverband; klare Aufgabenverteilung im neuen Vorstand.


Kundenakquise und Vertragswesen

Ohne Abnehmer kein Netz. Jetzt müssen aus Interessenten Vertragspartner werden.

Unterschritte

  • Erstellung rechtssicherer Wärmelieferverträge (AVBFernwärmeV beachten).
  • Abschluss von verbindlichen Vorverträgen oder Letter of Intent (LoI) mit Ankerkunden (Kommune, Gewerbe).
  • Persönliche Beratungsgespräche bei den Haushalten vor Ort.

Hürden

„Henne-Ei-Problem“: Bürger wollen Preise wissen, bevor sie unterschreiben; Genossenschaft braucht Unterschriften, um Preise final zu kalkulieren.

Erfolgsfaktoren

Verbindlichkeit durch Ankerkunden (Liegenschaften der Kommune); Nutzung von Musterverträgen der Verbände.


Finanzierungs- und Förderkonzept

Das Kapital wird eingesammelt. Hier fließen Eigenkapital, Kredite und Zuschüsse zusammen.

Unterschritte

  • Beantragung von Investitionszuschüssen (z. B. BEW Modul 2).
  • Führen von Bankgesprächen (Hausbank oder spezialisierte Umweltbanken).
  • Einwerbung von Mitgliederkapital (Nachrangdarlehen oder weitere Geschäftsanteile).
  • Prüfung von Kommunalbürgschaften zur Zinssenkung.

Hürden

Schwierige Kreditvergabe bei Projekten mit langen Amortisationszeiten; langwierige Bewilligungszeiträume bei Förderstellen.

Erfolgsfaktoren

Eine Kommune, die als Bürgin oder Mit-Mitglied auftritt; ein hoher Eigenkapitalanteil durch die Mitglieder (mind. 20–30 %).



Zusammenfassende
Erkenntnisse für die Planungsphase

Kooperation

Nutzen Sie die Expertise von Energieagenturen oder erfahrenen Genossenschaften (z. B. Zusmarshausen oder Untermain), um Fehler bei der Machbarkeitsstudie zu vermeiden.

 

Flächensicherung

Denken Sie frühzeitig an den Standort der Heizzentrale. Erbbaurechtsverträge mit der Kommune sind hier oft der sicherste Weg.

 

Kommunikation

Bleiben Sie im Dialog. Wenn sich die Planung verzögert (was oft passiert), müssen die künftigen Nutzer informiert werden, damit das Vertrauen nicht schwindet.

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Deutscher Genossenschafts- und Raiffeisenverband e.V.

www.dgrv.de

 

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