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Start/Themenschwerpunkte/Wärmenetze/Initiierung

1 Initiierung

In der Initiierungsphase geht es darum, Mitstreiter zu finden, die Machbarkeit grob auszuloten und die lokale Gemeinschaft zu mobilisieren. Es ist die Zeit der Visionen, aber auch der ersten harten Fakten.


Kernteam bilden und Kompetenzen bündeln

Ein Wärmenetz ist ein Marathon. Sie brauchen ein Team, das technisches Verständnis, kaufmännisches Wissen und Kommunikationstalent vereint.

Unterschritte

  • Findung von 3 bis 7 „Kümmerern“ mit unterschiedlichen Hintergründen.
  • Festlegung fester Rollen (Technik, Finanzen, Öffentlichkeitsarbeit).
  • Strukturierung der Zusammenarbeit (regelmäßige Fix-Termine).

Hürden

Überlastung des Ehrenamts; zu wenig „Manpower“ für die zeitintensive Startphase.

Erfolgsfaktoren

Ein langer Atem (Prozesse dauern oft 3+ Jahre); Einbindung erfahrener Berater oder Energieagenturen von Anfang an.


Vision entwickeln und Wärmequellen sondieren

Bevor es in die Details geht, muss die Richtung stimmen: Welche Energiequellen liegen vor der Haustür?

Unterschritte

  • Identifikation potenzieller Quellen (Abwärme von Industrie/Biogas, Solarthermie, Geothermie).
  • Festlegung eines räumlichen Zielgebiets (Quartier oder Dorfmitte).

Hürden

Fixierung auf nur eine Technologie; Unterschätzung der Komplexität bei Abwärmenutzung.

Erfolgsfaktoren

Technologieoffenheit; Berücksichtigung der regionalen Verfügbarkeit (z. B. industrielle Abwärme wie bei der Venner Energie eG).


Strategischer Dialog mit der Kommune

Die Kommune ist Ihr wichtigster Partner. Ohne den Rückhalt aus dem Rathaus ist ein Wärmenetz kaum realisierbar.

Unterschritte

  • Gespräch mit Bürgermeister:in und Klimaschutzmanagement suchen.
  • Status der Kommunalen Wärmeplanung (KWP) abfragen.
  • Unterstützungsmöglichkeiten klären (Flächen für Heizzentrale, Bürgschaften).

Hürden

Politische Skepsis; langsame Verwaltungswege.

Erfolgsfaktoren

Bürgermeister:in frühzeitig in Gremien einbinden (z. B. Aufsichtsrat); Synergien mit der KWP nutzen (Datenbereitstellung).


Akteursanalyse und Ankerkunden gewinnen

Ein Netz braucht eine stabile Grundlast. Große Abnehmer sichern die Wirtschaftlichkeit.

Unterschritte

  • Identifikation von „Ankerkunden“ (Schulen, Rathäuser, Gewerbebetriebe).
  • Erstgespräche mit lokalen Partnern (Stadtwerke, Handwerksbetriebe).

Hürden

Fehlende Großabnehmer im Zielgebiet; Vorbehalte bei Gewerbebetrieben.

Erfolgsfaktoren

Kommunale Liegenschaften als Motor nutzen; „Letter of Intent“ (Absichtserklärungen) zur Absicherung einholen.


Bedarfs-Check und Interessenabfrage

Nur wer die Bedarfe der Menschen kennt, kann passgenau planen. Hier geht es um Akzeptanz und Daten.

Unterschritte

  • Durchführung einer ersten Informationsveranstaltung.
  • Erstellung eines schlanken Fragebogens (Wärmebedarf, Alter der Heizung, Interesse).
  • Verteilung und persönliche Einsammlung der Bögen.

Hürden

Zu komplizierte Fragebögen schrecken ab; Angst der Bürger:innen vor „verbindlichen“ Preisangaben in dieser frühen Phase.

Erfolgsfaktoren

Persönlicher Kontakt! (Haustürbesuche erhöhen die Rücklaufquote massiv); Transparenz über den Prozess und künftige Vorteile.


Grobanalyse und Vorstudie

Sind die Daten gesammelt, folgt der Realitätscheck: Lohnt sich das Projekt wirtschaftlich und technisch?

Unterschritte

  • Auswertung der Fragebögen (Wärmedichte-Check).
  • Grobe technische Konzeptentwicklung und Kostenschätzung.
  • Festlegung von „KO-Kriterien“ (Wirtschaftlichkeit, Standort Heizzentrale).

Hürden

Zu optimistische Kalkulationen (zu niedrige Instandhaltungs- oder Nebenkosten); Risiko der Vorlaufkosten für Studien.

Erfolgsfaktoren

Realistische Puffer in der Kalkulation einbauen; Nutzung von Fördermitteln (z. B. BEW Modul 1 oder regionale Zuschüsse) für die Vorstudie.


Zusammenfassende Erkenntnisse für die Initiierungsphase

Kalkulation

Lieber konservativ rechnen! Viele Projekte leiden später unter zu positiv geschätzten Verbräuchen oder unterschätzten Reparaturkosten.

 

Zeit

Stellen Sie sich auf einen Prozess von mindestens 3 Jahren ein, bis die Wärme fließt.

 

Kommunikation

Die Menschen müssen sich „mitgenommen“ fühlen. Preistransparenz ist schwierig, aber notwendig, um Vertrauen aufzubauen.

weiter zu Planung

Deutscher Genossenschafts- und Raiffeisenverband e.V.

www.dgrv.de

 

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